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Pit Of Doom “Atonement”

Pit Of Doom

Ein Album, das ich nach 10 Sekunden erst einmal abschalte, ist mir bisher auch noch nicht untergekommen. Aber – sorry – das hat nichts mit der Musik oder mit der Qualität oder gar dem Niveau der Musiker zu tun – ich muss jetzt erst einmal meine ersten visuellen Gedanken niederschreiben, bevor ich von dem fortgerissen werde, was mich hier wahrscheinlich erwartet.

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TITELVERZEICHNIS:

All Is Said
Raise Your Weapons
Retaliation
The Strong Survive
Sorrow And Strife
A Common Nightmare
Ray Of Hope
Ingénue
Prototype
All Is Done

Time:

4:05
2:51
3:50
3:55
3:41
3:24
4:08
3:57
3:50
3:48

Note:

1,875
2,125
2,25
1,75
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3
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2,25

 

PIT OF DOOM heisst wohl die Band oder das Projekt und auf dem Cover ist ein zierliches Frauengesicht abgebildet, dessen Lippen zugenäht wurden, der selbige Schriftzug prangt auf der Stirn, der Gesichtsausdruck der einstigen Blondine vermittelt, dass ihr Haar wohl - dem Schock geschuldet - ergraut ist und sie schaut leidend/gefoltert/gequält in die Kamera hinein. Ich denke sofort an die Filme “Martyrs”, “Frontiers” oder “Die Meute” – dann packe ich das Album aus dem Cellophan und sehe drei finster drein blickende Gestalten. Von rechts nach links stehen Lukas (nein, es ist nicht Lars) Ullrich – Berufsbezeichnung Gitarrist – danach Fabian Guthoff  (Vocals, Gitarre) mit verschränkten, muskulösen Oberarmen – ihm möchte ich nicht bei Nacht begegnen  - und abschliessend Katharina Guthoff (Bass) mit laaaangen braunen Haaren – da hätte ich nichts dagegen, ihr bei Nacht zu begegnen. Als ich die CD aus der Arretierung entnehme, blicke ich in ein zerschlagenes Fenster – ich lasse schon mal aus Sicherheitsgründen den Rolladen herunter und dann schiebe ich die CD erwartungsvoll  in den Player.

40 Minuten und 11 Sekunden zeigt das Display – industrielle Hintergrundtöne  - eine Sirene – eine Stimme murmelt: „Cruelty. Injustice. Intolerance“ – nach einer Minute dröhnt eine tiefer gelegte gutturale Stimme und wirft mir gemeinsam mit einem donnernden Riff den ersten Todesbrocken hin. 01:30 dauert der Spuk und schon befinde mich im zweiten Track „Raise Your Weapons“ – ein grooviger Riff – gleich mal den Beatcounter angeschmissen – 129,1 bpm sind es. Aber es gibt leider einen Rhythmuswechsel, der das Tanzen unmöglich macht. „Retaliation“ ist ein punkiger Metal-Mosher, der sich anhört, als ob Lemmy Kilmister ein paar Rasierklingen zum Frühstück verschluckt hat - auch in den folgenden Songs wird oft das Tempo gewechselt, das macht zwar einen Einsatz im rockigen Club unmöglich, aber ich denke, das schert die Musiker sowieso einen Dreck, sie spielen ihren wuchtigen Sludge Metal, wie er sich gehört, mit Rhythmusverschiebungen und mit bis zum Anschlag aufgedrehten Verstärkern, die jeden Lautsprecher vor äusserste Herausforderungen stellen. „Yeah We Know!“ grölen die drei Musiker denn auch im Verbund im ultraharten “The Strong Survive”.

Endlich mal eine Band, die sich nicht von kommerziellen Thrash-, Death oder Power Metal Trends beeinflussen lässt. PIT OF DOOM kommen aus Oberhausen und haben sich 2001 gegründet. Das erste grosse Highlight kommt mit „Sorrow And Strife“ – Fabian zeigt (erstaunlich), dass er sogar über eine gute klare Stimme verfügt. Würde mich interessieren, wie er das konditionsmässig kombinieren kann, bei diesem Gegröle könnte ich wahrscheinlich eine ganze Woche nur mit geisterhaftem Flüstern durchs nächtliche Würzburg treiben. Die 23jährige Bassistin Katharina, die sich sonst im bürgerlichen Leben incognito als Steuerfachangestellte verkleidet, fliegt mit ihren Fingerkuppen über die Saiten (sie kann gar nicht genug bekommen von ihrem Instrument und ist zuletzt sogar vom 5Saiter zum sexsaitigen Bass gewechselt) und ich stelle mir gerade vor, wie sie ihre mächtige Mähne zum harten Riff herumwirbelt. Gitarrist Lukas versorgt den sinfonischen Mittelteil mit lyrischem „Two Hand Fingertapping“. Ein Sludge-Meisterwerk! Turn it up loud!

Im groovigen „A Common Nightmare“ legt Gutturalmeister Fabian seine Stimme noch etwas tiefer – da würde sogar der „Six Feet Under“ Shouter Chris Barnes anerkennend mit der gepiercten Zunge schnalzen. Das instrumentale „Ray Of Hope“ beginnt gothic-melancholisch und geht dann ab in Richtung Shoegaze. Feiner Solo vom 2011 zur Band gestossenen Lukas (nein er ist immer noch nicht Lars) Ullrich. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Das nexte Highlight steht an mit dem nachfolgenden „Ingenue“, das wieder die Pforten der Hölle öffnet und Werwölfe, Henker, Mutanten und Gleichgesinnte (ich bin schon länxt dort!) auf die Tanzfläche strömen lässt – wer zwei linke Füsse hat, kann sich ausserdem mit unzüchtigen Kopfverrenkungen die Frisur auffrischen.

Fazit: Mal ohne Scherz – mir wäre es nie in den Sinn gekommen, dass 3 nette Menschen (die Bilder im Text-Booklet sind nicht ganz so schrecklich) dieses geile Sludge-Donnerwetter hätten inszenieren können. PIT OF DOOM spielen einen variablen Mix aus Sludge Metal (da gibt es sowieso wenig gute deutsche Bands) und deathigem Punkcore mit doomigem Anstrich. Noch Fragen? Doch. Eine Frage hätte ich noch. Ich wüsste gerne, wer die Type auf dem rückseitigen CD-Cover ist, der noch das restliche Nähgarn in der Faust hält. Ich kenne da noch jemanden, den er ebenfalls bearbeiten könnte.    Gus der schlächtgelaunte Henker - haut Dir die Birne von den Schultern mit einem Schlenker (Zitat: Black Bruno)

Veröffentlichung: 05. Januar 2013

Verfügbar: CD & digitales Album

Label: The Finest Noise Records (www.finestnoise.de)

Für Fans von: Mastodon - Crowbar - Obscured - Supersoma

Web: http://www.pitofdoom.de/   & http://www.myspace.com/pitofdoom

Info: Die Spielsüchtigen unter Euch wird es mit Sicherheit interessieren - die Rock Bassistin Katharina Guthoff ist auch eine Canasta Expertin:
http://juegos-favoritos.blogspot.de/2006/11/katharina-guthoff-canasta.html

KAUFEMPFEHLUNG:    KKKKKKKKKK (1,787)

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